Warum die Gebärdensprache beider Koreas gedolmetscht werden muss


Die Leute aus Nord- und Südkorea können sich gut verständigen. Dies geht jedoch nur, wenn sie keine Gehörlosen sind. Wenn sich nord- und südkoreanische Gehörlose treffen, funktioniert die Sprache nicht. Dies liegt daran, dass sich die Gebärdensprache in Nord- und Südkorea unterscheidet. Auf dem Gipfeltreffen zwischen beiden Koreas konnte ohne Dolmetscher bequem miteinander kommuniziert werden. Damit Gehörlose aus Nord- und Südkorea sich treffen und miteinander kommunizieren können, sind zwei weitere Dolmetscher, aus Südkorea und aus Nordkorea, erforderlich, da die Gebärdensprache von Nord- und Südkorea nicht dieselbe ist.

Ein Projekt zur Beseitigung der Barriere zwischen beiden Koreas läuft in Berlin. Ein „SonmalSue Project“ von Together Hamhung e.V. und dem Korea Verband e.V.

Together Hamhung e.V. ist eine Gruppe, die nordkoreanischen Gehörlosen hilft und durch unterschiedliche Aktivitäten wie bei der Durchführung internationaler Konferenzen sind sie sich des Problems bewusst geworden, dass sich die Gebärdensprache zwischen Nord und Südkorea eklatant unterscheiden.

Es gibt ja Leute in Deutschland, die die nordkoreanische Gebärdensprache kennen, aber es gab niemanden, der die südkoreanische Gebärdensprache kennt. Deshalb kam Hyemi Jo, eine Künstlerin, die als Designerin in Südkorea arbeitete, nach Deutschland. Hyemi war eine ganz normale Angestellte, die nicht ernsthaft über ihre Identität als „Gehörlose“ nachgedacht hat.

Sie ist zufälligerweise und plötzlich der Welt der Gehörlosen begegnet. Ihr Leben hat sich nun völlig geändert. Ein Interview mit Hyemi.

Hallo Hyemi, wer bist du?

Hallo. Ich bin Jo Hyemi, ich habe eine angeborene Hörschädigung. Ich habe ab Juni 2018 für drei Monate bei „Together-Hamhung e.V.“ in Berlin gearbeitet. Vor kurzem bin ich nach Deutschland zurückgekehrt und arbeite in einem Projekt namens „SonmalSueo“ bei Together Hamhung. Als freiberufliche Webdesignerin arbeite ich auch beim Korea Verband e.V.

Was bedeutet ‘Sonmal Sueo’?

Sonmal bedeutet Gebärdensprache auf südkoreanisch. Sueo bedeutet Gebärdensprache auf nordkoreanisch.

Was macht „Together-Hamhung e.V.“?

Together Hamhung e.V. hilft nordkoreanischen Gehörlosen. Herr Robert Grund hat im Auftrag des Weltbundes der Gehörlosen vier Jahre lang in Pjöngjang gelebt. Er war der einzige Gehörlose, der in Nordkorea wohnte und der die nordkoreanische Gebärdensprache beherrscht. In Deutschland arbeitet er jetzt bei Together- Hamhung und hat das ‚Sonmal Sueo Projekt‘ ins Leben gerufen.

Was ist der Zweck des Projekts?

Das Projekt ist ein langfristiges Projekt mit dem Ziel, eine direkte Kommunikation zwischen Gehörlosen aus Nord- und Südkorea zu ermöglichen.

Was macht ihr dann für das Projekt?

Robert und ich machen zusammen ein Video. Robert kennt die nordkoreanische Gebärdensprache, ich kann die südkoreanische. Wir vergleichen die beiden Sprachen. Außerdem planen wir auch das „Chosun – Korean Gebärdensprache Wörterbuch“. Wir wollen durch diese Projekte die Sprachbarrieren zwischen gehörlosen Nord- und Südkoreanern beseitigen.

Ein Video von SonmalSueo

Was ist der schwierigste Teil, wenn mit beiden Sprachen zu kommuniziert wird?

Ich habe einen nordkoreanischen Gehörlosen in Deutschland getroffen, und ich habe ein ähnliches Problem gefunden wie zwischen nicht-gehörlosen Menschen. Für nicht gehörlose Menschen gibt es ein gemeinsames Wörterbuch. Ich denke, sie werden sich schneller verstehen, weil sie sich gegenseitig hören können. Aber Gehörlose müssen erst einmal miteinander in die Gesichter sehen und können dann erst kommunizieren. Wenn sie sich nicht treffen, ist es noch schwieriger, zwischen den beiden Koreas eine gemeinsame Gehörlosen-Sprache zu schaffen. Und ja, Südkoreaner und Nordkoreaner können sich leider nicht einfach treffen. Wir arbeiten also zunächst daran, die Gehörlosen-Sprache Nord- und Südkoreas auf Video auszutauschen.

Wie unterschiedlich sind die beiden Gebärdensprachen? Kannst du ein Beispiel nennen?

Ein Beispiel ist in der koreanischen Gebärdensprache „sauber“, das das nordkoreanische Wort „neu“ bedeutet. Die Gebärdensprachen sind die gleichen, aber die Bedeutungen sind unterschiedlich. „Danke“ in der koreanischen Gebärdensprache bedeutet in der nordkoreanischer Gebärdensprache „Kimchi“ (lacht).

Hyemi. Das bedeutet „Sonmal“, die südkoreanische
Gebärdensprache.

Unterhalten wir uns nun persönlicher. Was bringst du nach Deutschland?

Ich war eine normale Beschäftigte, die gern malt. Ich wusste eigentlich nichts über meine Identität als Gehörlose. Es war wirklich schockierend aber auch erfrischend, als ich zum ersten Mal die internationale Zeichensprache im ‚Deaf Media‘ Video sah. Bis dahin dachte ich, Gehörlose gebe es nur in Korea (lacht). Danach lernte ich die internationale Zeichensprache, um mein Wissen zu erweitern. Als ich 26 Jahre alt war, entdeckte ich meine Identität und suchte intensiv nach Seminaren und Vorlesungen, wodurch ich lernen konnte.

‘Frontrunners’ in Dänemark ist eine Bildungseinrichtung für junge gehörlose Menschen aus der ganzen Welt. Ich habe viel über internationale Gebärdensprache, Zweisprachigkeit, Gehörlosesn-kultur, Identität, Führungskraft, Orientierung, Medien usw. gelernt. Als ich in Dänemark von Together Hamhung hörte, wurde sofort mein Interesse geweckt. Ich wollte über den Verbein mehr wissen, darum habe ich mit Robert Kontakt aufgenommen.

Mit welcher Sprache bzw. Gebärdensprache kommuniziert ihr dann beim Projekt?

Wenn wir alle eine Sitzung haben, gibt es einen Gebärdensprache- Dolmetscher für die deutsche Sprache und einen Gruppenchat, in dem wir Texte übersetzen können. Ich hatte Schwierigkeiten, weil ich keine deutsche Gebärdensprache sprechen konnte, aber jetzt lerne ich Deutsch. Ich kommuniziere normalerweise in verschiedenen Sprachen, darunter internationale Gebärdensprache, Südkoreanisch, Nordkoreanisch, Deutsch und so weiter. Es ist ziemlich kompliziert, oder? Es gibt ja viele Sprachen.

Warum soll dieses Projekt in Deutschland durchgeführt werden?

Soweit ich weiß, sind Together-Hamhung und dieses Projekt die einzigen, die sich mit den nord- und südkoreanischen Gebärdensprachen beschäftigen. Darüber hinaus ist Robert hier! Hier können sich süd- und nordkoreanische Gehörlose in einem Drittland treffen. Das ist momentan nur in Deutschland möglich.

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