Wer „Du riechst nach Knoblauch“ sagt, ist Rassistisch

[Deutsch]

März – Internationaler Tag zur Beseitigung von Rassendiskriminierung.

Es ist ein ruhiger Tag, mehr als je zuvor. In meinem täglichen Leben geht die Rassendiskriminierung weiter und es tut mir leid, dass dieser Tag vorbei ist. Glücklicherweise ging ich am Abend des 21. Ins Kino, um den Hollywood-Film „Green Book“ im Rahmen einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung (Think Tank der deutschen grünen Partei) kostenlos zu schauen und anschließend einer Diskussion über den Film beizuwohnen.

Es war ein synchronisierter Film in deutscher Sprache und es gab viele Momente, in denen die Leute lachten. Einer der Protagonisten sprach sehr hochdeutsch und der Andere sehr vulgär, was mir jedoch egal war, da ich beide nicht so gut verstehen konnte. Früher habe ich lieber Filme mit Untertiteln geschaut. Aber jetzt schätze ich die Kunst der Synchronisation, da ich dank eines Freundes, der ein Synchronsprecher werden möchte, mehr darüber gelernt habe.

„Green Book“ ist ein Film über die Diskriminierung schwarzer Menschen in den USA im Jahr 1962. Thematisiert wird die Freundschaft zwischen einem unter Einsamkeit leidenden schwarzen Pianisten und seinem Fahrer, einem weißen Mann, der ein typischer Macho ist, aber seine Familie sehr liebt.

Es gab viele rührende Szenen im Film, aber es gab auch unangenehme, wie wenn der Fahrer oft seine Fäuste schwang, seine Frau auf seine Briefe wartete und voller Sehnsucht weinte, die Ehefrauen, die einen romantischen Brief von ihren Ehemännern verlangten und die typisch aussehenden ausländischen Arbeiter. Obwohl ich wusste, dass dieser Film die Diskriminierung schwarzer Menschen thematisieren wollte, empfand ich wegen der festen Geschlechterrollen und den Rasse-Rollen keinerlei Rührung. Die Musik war gut.

Vor einem Monat, nachdem mein Deutschkurs beendet war, fuhr ich mit einer Freundin U-Bahn. Als ich versuchte, mich auf einen leeren Platz zu setzen, sah mich die sitzende Person an und sagte: „Riecht nach Knoblauch. Musst Zähne putzen.“ Ich war so verlegen. Ich setzte mich danach und sagte lächelnd zu meiner Freundin: „Diese Person sagt mir, dass ich nach Knoblauch rieche und ich meine Zähne putzen soll.“ Zähne knirschend sagte nichts, nahm mir aber vor mit der Person zu streiten, falls sie mich nochmal beleidigen sollte. Doch nach ein paar Stationen stieg sie aus der Bahn.

Ich kam nach Hause und sprach mit meinem Partner, den ich sehr liebe, darüber was passiert war. Er sagte: „Das ist kein Rassismus.Vielleicht hat sie nur der Geruch nach Knoblauch gestört. Es gibt solche Menschen auf der Welt, die Andere nicht respektieren und den Leuten direkt ihre Meinung sagen.“ Ich war verzweifelt und wirklich wütend genug, um alles zu zerschlagen. Ich war niemals zuvor so wütend seit ich in Deutschland bin.

„Hast du jemals gehört, dass dir jemand ins Gesicht gesagt, dass du nach Knoblauch riechst? In der Öffentlichkeit? Die Deutschen sind es, die nichts sagen, auch wenn sie Gestank riechen. Aber warum darf sie sowas zu mir sagen? Kein Rassismus? Respektlosigkeit? Wie hast du zwischen Rassismus und Respektlosigkeit unterschieden? Es ist schön, dass du gut unterscheiden kannst.“ Ich wollte ihn nicht wieder sehen. Ich war wütend über diese Ignoranz und das Selbstbewusstsein, dass er Rassendiskriminierung erkennen kann.

Weiße Menschen, die schwarzen Menschen diskriminieren, bestimmen was Rassendiskriminierung ist und was nicht. Die Weißen können es nicht wissen. Sie müssen das zuerst lernen. Man muss auf jemanden hören, der es selbst erlebt hat.

Nach dem Film sagte die Moderatorin in der Debatte, dass heute der Tag des „Internationalen Tages zur Beseitigung von Rassendiskriminierung“ ist, aber dieser in den Medien kaum Aufmerksamkeit bekommen. Fast so, als gäbe es in Deutschland keinen Rassismus. NEIN. ES GIBT IHN NOCH. Ich muss alltäglich Sachen hören wie: “Deine (asiatische) Freundin sieht lecker aus.“

Die Moderatorin fragte „Was sollten wir tun, um Rassendiskriminierung in unserem täglichen Leben zu lösen?“ und ein Gast antwortete natürlich „Hört den Betroffenen mit ihren Erfahrungen zu. Lernt von ihnen, wenn ihr es nicht wisst.“

Ich verließ mit meinem Partner, den mein Ärger und meine Anklage getroffen hatte, das Kino und er schien verlegen zu sein. Er sagte, der Film wäre so gut gewesen und er dankte mir, dass ich ihn mitgenommen hatte. „Also, was sollt ihr tun?“, sagte ich. „Ich weiß, es war mein Fehler.“, sagte er. Ich sagte ihm nochmal „Ich sage was rassisch ist oder nicht. Nicht du!“

In einer koreanischen whatsapp Gruppe hatte jemand einen Link „Wie man Knoblauchgeruch weg bekommt.“ geteilt. Vielleicht wollte er nur sagen, wir sollten vorher vorsichtig sein oder auf einander Rücksicht nehmen. Trotzdem antwortete ich:

„Mit Kimchigeruch und Knoblauchgeruch werde ich frei leben.“

Wenn mir jemand höflich sagt, dass mein Geruch störend ist, bin ich bereit, darauf zu achten. Aber ich werde entschlossen gegen die schmutzigen Kommentare, die nach Rassismus riechen, vorgehen.

„Hör auf! Das ist rassistisch!“

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